Abteikirche

Freitag, 20. September 2024

An einem herrlichen Herbsttag fuhren wir aus dem noch nebligen Osten in die sonnige Westschweiz nach Romainmôtier, wo das wohl älteste Kloster der Schweiz steht.

Romainmôtier stand ja schon seit Jahren auf unserer Wunschliste, wir zögerten immer wieder, weil die Reise doch relativ lang ist. Zumindest für die meisten unserer Mitglieder. Nun haben wir es aber gewagt. Wir trafen uns schon in Zürich und fuhren im Speisewagen bei Kaffee und Gipfeli gemütlich nach Yverdon-les-Bains, wo wir in die Regionalbahn umsteigen mussten. Ab Croy ging es dann zu Fuss weiter, die weniger Mobilen wurden mit dem „Freundeskreis-Taxi“ abgeholt – danke Elisabeth und René für die Fahrdienste.

Die kurze Wanderung tat gut nach dem langen Sitzen im Zug. Sie führte einem Bach entlang, wunderschön, direkt nach Romainmôtier.

Im Ort angekommen, gab es zuerst mal ein feines Mittagessen im Restaurant Le Saint Romain. Gemütlich, speziell, altmodisch, herzlich. Das Mittagessen so fein! Die regionale Spezialität, Saucisse aux choux mit Papet Vaudois kann ich nur empfehlen!

 

Nach dem Mittagessen wurden wir von Ursula Sommer kompetent durch die Abtei und ihre Geschichte geführt.

Zuerst sahen wir aber einen zwanzigminütigen Film, der uns einen Überblick über die Geschichte gab. Vor allem die Animationen, die zeigten, wie das Kloster sich im Laufe der Zeit veränderte, waren sehr eindrücklich. Von zwei kleinen, älteren Gebäuden – eine Ziegelei, so vermutet man – über die erste kleine Kirche zu den Gebäuden für die Mönche, bis zur grossen Abteikirche, die mehrmals neu gebaut wurden, sei das nach Bränden oder weil der Platz zu knapp wurde, weil die architektonische „Mode“ änderte, im Film kamen und verschwanden die diversen Gebäude, bis hin zu Romainmôtier, wie es heute aussieht.

Auch als architektonische Laiin sieht man in der Kirche sehr gut die unterschiedlichen Bauepochen, die runden Bögen, die behäbigen romanischen Säulen im Kirchenschiff, der hohe, viel elegantere gotische Chor.

Wenn man die Kirche betritt, befindet man sich zuerst mal in einem doch eher dunklen Raum, der heute mit elektrischem Licht etwas erhellt wird. Früher kam das Licht hier nur durch ganz kleine Fenster weit oben herein. Man muss durch das Dunkel, bevor man ins Helle, Feierliche der Kirche tritt, erklärte Frau Sommer. Die Kirche ist wirklich hell und freundlich. Sie wurde 1899-1915 ein erstes Mal restauriert und in den 1990er Jahren ein zweites Mal. Beeindruckend auch die Bilder und die farbigen Ornamente. Wenn man sie heute so sieht, kann man sich gut vorstellen, wie bunt diese Kirche einst (vor der Reformation) war! Die Ornamente seien in den originalen Farben, die Bilder so weit wie möglich restauriert. Man pinselt heute ja nicht mehr einfach drauf los beim Renovieren, sondern macht nur das, was historisch gesichert ist, möglichst mit Material und Farben wie damals.

Eine zweite Gruppe war ebenfalls in der Kirche unterwegs – Organisten und Organistinnen aus dem Solothurnischen. Sie wollten natürlich die verschiedenen Orgeln hören, was uns ein kleines Konzert bescherte, aber auch Frau Sommer am Erzählen hinderte.

Auf dem Bild oben verhandelt sie mit dem Organisten über eine Konzert-Pause, damit sie weitermachen kann…

Wir wurden schliesslich in eine Kapelle im oberen Stock geführt – die meisten Kirchen haben eine Krypta, unter der Kirche, in Romainmôtier gibt es eine Kapelle im ersten Stock! Hier konnten wir es uns gemütlich machen und dem interessanten Vortrag zuhören. Von der Orgel aus der Kirche hörte man hier nichts!

Wir erfuhren wir vom heiligen Romanus, ein Mönch aus Lyon, der hier im 5. Jahrhundert die Einsamkeit suchte und das erste Kloster gründete. Môtier, altfranzösisch für Kloster. Darum also Romainmôtier. Lange nahm man an, dass es tatsächlich so war, heute weiss man, dass es sich um eine Legende handelt. Gesichert ist, dass Mönche aus dem Jura im 5. Jahrhundert das erste Kloster gründeten. Das zweite Kloster wurde im 7. Jahrhundert von Mönchen aus Luxeuil gegründet. Im 9. Jahrhundert schenkte König Rudolf I. von Burgund Romainmôtier seiner Schwester Adelaide, die es später dem Abt von Cluny vermachte.

Die ersten Mönche lebten nach den strengen Regeln des heiligen Columban, später übernahmen sie die Regeln des heiligen Benedikt. Wie wir im Film gesehen haben, wurde Romainmôtier x-mal umgebaut, angebaut, neu gebaut. Aus allen Epochen findet man Spuren, zum Teil in der Kirche, zum Teil in der kleinen Ausstellung im Gebäude gleich neben der Kirche, oder im archäologischen Museum in Lausanne. Sehr eindrücklich ist der Ambo aus der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts. Die Steinplatte wurde bei Ausgrabungen unter dem heutigen Chor gefunden.

Wie schon angetönt, ist das Kloster der Reformation zum Opfer gefallen. Es gehört heute dem Kanton Waadt – zum Glück, wie Frau Sommer feststellte, denn es ist eine kostspielige Angelegenheit, so einen Ort in Schuss zu halten. Ein kleiner Ort wie Romaimôtier könnte sich das nicht leisten. Die Kirche ist heute reformiert, wird aber mit ökumenischem Geist geführt. Es gibt z.B. eine Gebetsgemeinschaft, die sich dreimal am Tag in der Kirche trifft, am Morgen, Mittag und gegen Abend. In dieser Gemeinschaft ist jedermann willkommen, egal welcher Konfession. Bei einem früheren Besuch durfte ich so ein Mittagsgebet miterleben. Sehr eindrücklich, vielleicht ein Dutzend Leute im Gebet (das ich nicht verstand, mein Französisch ist rudimentär) und Gesang (Musik versteht man immer und überall! Und diese Akustik, einfach phänomenal!).

Nachdem die Organisten ihr Konzert beendet hatten, konnten wir uns nochmal in der Kirche umsehen und die einzelnen, von Frau Sommer erwähnten Bilder und Eigenheiten der Kirche ansehen. Sie nahm sich sehr viel Zeit für uns, weit über die gebuchte Stunde hinaus! Es war wie immer an so spannenden Orten, die Zeit verging wie im Flug! Wie es die Turmuhr übrigens schon von weitem verkündet:

Das wäre also, was mir das Wichtigste erscheint. Möchtest du mehr wissen: geh einfach (noch einmal) hin! Oder frag Wikipedia. Auch viacluny.ch ist eine interessante Seite, wo neben weiteren Bildern auch mehr zur Geschichte des Ortes zu finden ist.

Romainmôtier ist definitiv ein Kraftort und war die lange Reise mehr als wert!

Bericht und Bilder:
Barbara Fleischmann

Weitere Bilder

 

 

 

gesehen in Croy
gesehen in Croy
auf dem Weg von Croy nach Romainmôtier
auf dem Weg von Croy nach Romainmôtier
auf dem Weg von Croy nach Romainmôtier
auf dem Weg von Croy nach Romainmôtier
Romainmôtier, Restaurant Le Saint Romain
Romainmôtier, Restaurant Le Saint Romain
zuerst mal einen Film anschauen
zuerst mal einen Film anschauen
kleines Fenster hoch oben im dunklen Vorraum zur Kirche
kleines Fenster hoch oben im dunklen Vorraum zur Kirche
Romainmôtier
Romainmôtier
Im roten Haus wohnte der Prior
Im roten Haus wohnte der Prior