Einsiedeln ist die wichtigste Wallfahrtskirche der Schweiz, also höchste Zeit, sie uns einmal genauer anzusehen.
Klar, die meisten werden sie kennen, waren vielleicht schon x-mal dort. Aber Hand aufs Herz: weisst du, was es dort so alles zu sehen gibt? Und warum alles so ist, wie es ist? – Eben!
Wie immer begann unser Treffen mit einem feinen Mittagessen und fröhlichen Gesprächen. Diesmal im Restaurant Drei Könige gleich beim Kloster.
Am Nachmittag stellte uns Alois dann Pater Lorenz vor, den er schon seit sechzig Jahren kennt. Pater Lorenz studierte nach seinem Theologiestudium Philosophie, das er später als Fach an der Stiftschule lehrte. Nach seiner Zeit als Lyzeumspräfekt wurde er Rektor an der Stiftsschule, dann Statthalter des Klosters. Er wird uns am Nachmittag durch die Kirche führen um uns das eine und andere zu erzählen. In nur einer Stunde liesse sich kaum alles erklären, dafür brauchte es Stunden, wenn nicht Tage, sagte Pater Lorenz gleich zu Beginn
Noch bevor wir die Kirche betraten, erzählte er uns, was seine weiteren Aufgaben im Kloster waren, bzw. sind. Früher waren die Mönche für den ganzen Betrieb verantwortlich, machten die meisten Arbeiten selber. Zu jener Zeit war er als Statthalter verantwortlich für die Wirtschaftsbetriebe, Landwirtschaft, etc. Als Philosoph kam er irgendwann an seine Grenzen. So wie andere Mönche mit ihren Aufgaben ebenfalls. Darum, und auch weil die Gemeinschaft kleiner wurde, wurden je länger je mehr Aufgaben an Profis vergeben. Die Bauern bekamen Pachtverträge und waren nicht mehr direkt beim Kloster angestellt, zum Beispiel. Und die immer grösser werdende Verwaltung übernahm ein Wirtschaftsfachmann. Auch konnten die Mönche nicht mehr alle Unterrichtsfächer der Stiftsschule selber übernehmen, es mussten externe Lehrer angestellt werden. Und wenn man die riesige Anlage so sieht, sind da wohl noch ganz viele helfende Hände von „extern“ nötig um alles in Schwung zu halten.
Heute kümmern sich die Mönche wieder vermehrt ums „Kerngeschäft“. Um das klösterliche Leben als Mönchsgemeinschaft mit den Gebetszeiten. Um die Wallfahrt. Um die Pilger. Und um neugierige Mitglieder des Freundeskreises, die gern mehr über die Kirche erfahren möchten.
In der Kirche fällt sofort die speziell festlich geschmückte Gnadenkappelle auf. Das sei, weil am 14. September die grosse Engelweihe gefeiert wurde. Engelweihe? – Klar, das habe ich auch schon gehört, aber was da genau gefeiert wird und was es mit der Engelweihe auf sich hat, erfuhren wir von Pater Lorenz.
Das Kloster wurde 934 gegründet und 948 baten die Mönche Bischof Konrad von Konstanz die Kirche zu weihen. Der Bischof kam. Aber in der Nacht vor der Weihe, erschienen ihm Jesus und Maria in mitten einer Schar von Engeln. Jesus Christus weihte höchstpersönlich die Kirche und weihte sie seiner Mutter Maria. Am anderen Tag zögerte der Bischof mit der Weihe, machte sich dann aber trotzdem bereit für den feierlichen Gottesdienst. Da erschien ihm erneut ein Engel, der ihm Einhalt gebot, die Kirche sei schon geweiht, er brauche sie nicht nochmal zu weihen. Diese Legende verbreitete sich sehr schnell und so wurde Einsiedeln bald zu einem bedeutenden Wallfahrtsort.
Wenn man die Kirche betritt, weiss das Auge kaum, wohin sich wenden! So viel Pracht, Bilder, Statuen, Altäre… Alles genau zu betrachten, übersteigt bei weitem die Stunde, die wir zur Verfügung haben.
Wir richten unseren Blick also erst mal nach oben.
Das erste Bild zeigt wieder die Legende der Engelweihe.
Das nächste ist ein Bild vom letzten Abendmahl und in der dritten Kuppel ist Weihnachten.
Alles, was zwischen Weihnachten und Abendmahl geschehen sei, brauche man nicht zu zeigen, das wurde früher von der Kanzel dazwischen verkündet, meinte Pater Lorenz. Sie sei völlig überladen. Man merkt, dass sie ihm nicht sonderlich gefällt. Und sie ist natürlich schon länger nicht mehr „in Betrieb“.
Interessant und auffällig ist die leuchtend gelbe Kuppel vor dem Altarraum und dem Chor (dieser Teil der Kirche ist den Mönchen vorbehalten, wir schauen nur „von aussen“). Sie zeige die Jahreszeit an, meinte Pater Lorenz. Und dass draussen die Sonne scheint. Wäre es noch Sommer, würden die Sonnenstrahlen bis auf den Boden der Kirche reichen. Da nun aber die Sonne schon tiefer stehe, ist nur die Kuppel so schön golden.
Rechts und links des Altarraums befinden sich zwei Epitaphe. Es handle sich um eine Art Grabstein für die in der Gruft begrabenen Mönche. Auf den Tafeln finden sich links die Namen der verstorbenen Äbte und rechts die der verstorbenen Mönche. Selbstverständlich sei der Platz in der Gruft beschränkt, also müssen die Verstorbenen nach einer gewissen Zeit den Platz räumen. Die Gebeine werden dann draussen im Garten definitiv beigesetzt.
Die Schwarze Madonna ist aus der Einsiedler Kirche nicht mehr wegzudenken. Sie sei aber nicht von Anfang an schwarz gewesen. Der Russ der Kerzen habe sie dunkel gefärbt. Im Gefolge der französischen Revolution fielen Truppen in Einsiedeln ein und verwüsteten die Gnadenkapelle. Die Madonna konnte zum Glück zuvor zuerst in Alpthal in Sicherheit gebracht werden, bevor sie auf der Haggenegg für ein paar Wochen im Boden vergraben wurde. Nach all diesen Wirren wurde die Madonna restauriert, bekam definitiv ihre schwarze Farbe. Das sei damals eine Mode gewesen, meint Pater Lorenz. überall gab es plötzlich schwarze Madonnen. Nun eben auch in Einsiedeln. Unsere berühmte schwarze Madonna, eine Mode! Wer hätte das gedacht… Der Raum bei der Gnadenkapelle ist übrigens strikt dem Gebet vorbehalten. Fotografieren ist da nicht drin. Das respektiere ich selbstverständlich. Darum gibt es hier keine Bilder. Aber im Netz finden sich viele. Einfach mal googeln, falls du nicht eh schon weisst, wie sie aussieht.
Es gäbe noch so viel mehr zu sehen und zu entdecken, aber unsere Stunde ist schon längst um! Schade. Aber es gibt ja zum Glück die Möglichkeit, nochmal wieder zu kommen.
Alles, was es zum Kloster und zur Kirche zu wissen gibt (Gottesdienstzeiten, Führungen, Geschichtliches, die Engelweihe-Legende, und und und), findest du übrigens auf der Homepage: www.kloster-einsiedeln.ch.
Bericht und Bilder: Barbara Fleischmann