Priesterseminar

25. und 26. Mai in Chur

Wieder einmal trafen wir uns zu einer zweitägigen Mitgliederversammlung (die letzte war 2018 in Saint Maurice), diesmal im Priesterseminar in Chur.

Pünktlich zum Apéro vor dem Mittagessen trudelten die 24 angemeldeten Mitglieder ein und freuten sich sichtlich über das Wiedersehen.

Elisabeth, Brigitte und Rosmarie beim Apéro

Das Priesterseminar ist nicht nur für Theologiestudierende, sondern kann auch für Anlässe wie unsere MV genutzt werden. Die Zimmer sind hell und freundlich, das Essen einfach wunderbar und reichlich, wir wurden richtig verwöhnt.

Mitgliederversammlung

Nach dem Mittagessen trafen wir uns zum offiziellen Teil der MV. Das Protokoll kannst du hier nachlesen. Das Wichtigste aber hier in Kürze:

Alois, Marie-Therese und Brigitte vom Vorstand

Am meisten interessiert in aller Regel der Jahresbericht des Präsidenten. Alois versteht es meisterhaft, unsere Aktivitäten mit der Bibel zu verknüpfen. Diesmal mit der Verklärung Jesu auf dem Berg Tabor. Neugierig? Hier kannst du den Bericht nachlesen!

Auch wichtig: der Mitgliederschwund! in den besten Zeiten hatte der Freundeskreis 188 Mitglieder, heute sind es noch 99, davon sind vielleicht 25 immer mal wieder aktiv mit dabei. Die Leute werden älter, krank, mögen nicht mehr und sterben weg. An dieser MV sind sicher drei Ü-90 und ganz viele Ü-80 anwesend. Die anderen sind bis auf wenige Ausnahmen zumindest Ü-70. Darum schlägt der Vorstand vor, dass wir mit dem Ende der laufenden Amtsperiode, also mit der MV 2026, den Verein auflösen. Das gibt zwar Diskussionen und traurige Gesichter, aber es sehen alle ein, dass das vernünftig ist. Der Vorstand wird diese letzten zwei Jahre noch mit vollem Elan gestalten und eine schöne Abschiedsfeier organisieren.

Nach dem offiziellen Teil gab es Kaffee und Kuchen, sieht doch einfach gluschtig aus, oder?

Kaffee und Chüechli

Referat von Prof. Dr. Markus Lau

Zum anschliessenden Referat konnte Alois Markus Lau begrüssen. Er lehrt Neues Testament an der Theologischen Hochschule in Chur. Das Referat hatte den Titel:

Prof. Dr. Markus Lau

«Geisterstunde. Antike Gruselgeschichten und das Neue Testament. Eine Spurensuche im lukanischen Doppelwerk.»

Ich muss zugeben, als ich diesen Titel das erste Mal sah, war ich ziemlich skeptisch bis erstaunt. Gruselgeschichten und das NT? Sehr ungewöhnlich! Aber: man lasse sich überraschen! Ein Professor wird es ja wohl wissen. Leider darf ich das Referat hier nicht als PDF einbinden, es wird später in einem Buch veröffentlicht. Klar, dass Markus Lau nicht möchte, dass das vorher publiziert wird. Ihr müsst mit meiner Zusammenfassung vorlieb nehmen.

Markus Lau beginnt mit einer Gespenstergeschichte, die Plinius der Jüngere um das Jahr 100 n.Chr. in einem Brief an einen Freund aufgeschrieben hat. Er möchte von seinem Freund wissen, ob er an Gespenster glaube, oder ob sie nur Gebilde unserer Angst seien. Die Geschichte darf ich hier verlinken. Am besten liest du sie jetzt rasch (wer kein Latein versteht, soll einfach scrollen, es folgt eine deutsche Übersetzung…)

Es ist eine Geschichte, wie sie auch heute noch aufgeschrieben werden könnte, nur, dass heute wohl alle davon ausgehen, dass es keine Gespenster gibt, was damals noch nicht so ganz klar war. Auch andere Motive aus antiken Gruselgeschichten sind heute noch aktuell, wie z.B. Vampire, Werwölfe, Hexen, Untote etc. Sie gehören einfach zu einer richtig gruseligen Geschichte. Markus Lau zitiert noch weitere Gespenstergeschichten aus der Antike, überliefert z.B. von Sueton – er berichtet von Geistern in Roms Gärten. Lukian berichtet von einem Spukhaus in Korinth, Plautus von einem anderen in Athen. Und so weiter. Spukgeschichten gab und gibt es offenbar seit je viele.

Aber warum erzählte man Gruselgeschichten? Sie werden erzählt  zum Beispiel «um politische Ordnungsvorstellungen zu vermitteln sowie politische und soziale Normen zu beschreiben, zu fundieren oder zu hinterfragen.» Die meisten dieser Geschichten wurden mündlich weitergegeben, auch an Kinder, die durch die Geschichten zu bestimmten Verhaltensweisen erzogen werden sollen. – Wer hat nicht selber als Kind mal gehört, dass man gehorchen soll, weil sonst ein Gespenst, ein böser Mann, eine Hexe kommen könnte. (Oder noch schlimmer: der Samichlaus bzw. der Schmutzli steckt einen in den Sack!) Offenbar hat aber schon Platon an solchen Erziehungsmethoden Kritik geübt, es sei schlechte Pädagogik, Kinder zu erschrecken und ihnen Angst zu machen, um sie zu angepasstem Verhalten zu erziehen.

Ein zweites Beispiel, wozu Gruselgeschichten dienten: «Antike Gruselgeschichten spiegeln ein grundsätzliches Problem, nämlich die Frage nach der Wahrheit eines Berichtes. Sie eigneten sich zur Reflexion dieses Sachverhaltes in besonderer Weise, weil sie selbst nicht den Bereich des Fiktionalen, der Lüge, des Nichtfiktionalen oder des Wahren eindeutig zuzuordnen waren.»

Als drittes kommt Markus Lau auf das Lukasevangelium zu sprechen. Konkret geht es um Lk 24,36-43. Die Emmaus-Jünger sind nach ihrer Begegnung mit Jesus nach Jerusalem zurückgeeilt und berichten nun den anderen von ihrer Erfahrung. Da steht Jesus plötzlich in ihrer Mitte. Ein Geist? Ein Gespenst? Oder ist er es wirklich? Dass er kein Gespenst ist, beweist Jesus damit, dass er die Jünger auffordert, ihn zu berühren und er etwas zu essen verlangt. Einen Geist kann man nicht berühren, ein Gespenst kann nicht essen. Voilà! Lukas greift die typischen Gruselmotive auf um zu beweisen, dass Jesus tatsächlich lebt. Es geht Lukas also darum, anhand dieser Geschichte die Wahrheit der Auferweckung zu beweisen (siehe Abschnitt oben). Selbstverständlich führte Markus Lau das detailliert aus, und wies auf andere «gruselige» Texte hin (z.B. Lk 16,19-31, Apg 1,18, Apg 12,20-23, oder Apg 5,1-11). Besonderen Eindruck macht auch Apg 19,13-17, Unbefugte möchten in einem Geisterhaus in Ephesus den Dämon vertreiben, was aber gründlich misslingt. Lukas nutzt also nochmal eine Gruselgeschichte, um die geltende Ordnung, die soziale Norm aufzuzeigen. Nicht jeder darf oder kann im Namen Jesu wirken!

Ich weiss, meine Kürzestfassung ist sehr rudimentär, und möglicherweise jenen, die nicht zugehört haben, nicht unbedingt plausibel. Aber ich habe doch einen anderen Blick auf diese Geschichten bekommen und werde nun auch andere «Gruselgeschichten» in der Bibel auf das Gehörte hin anders lesen.

Dankeschön an Markus Lau

Gemütlicher Samstagabend

Nach dem Referat war schon bald Zeit fürs Abendessen, und danach Zeit für gemütliches Beisammensein bei einem (oder zwei, drei…) Glas Wein oder Bier.

Gottesdienst

© Erica Meyer

© Erica Meyer

Am Sonntag Morgen feierten wir zusammen einen Gottesdienst. Albert Gasser hat ihn geleitet, Alois hat ministriert und ich habe die musikalische Umrahmung geliefert. Es war eine schöne Feier, in der es um Recht und Gerechtigkeit ging. In seiner Ansprache kam Albert Gasser auf unsere Rechtsprechung zu reden, niemand müsse sich vor Gericht selber belasten. Man darf schweigen, aber wenn man etwas sagt, muss es die Wahrheit sein. So funktioniere das auch vor Gott, wir müssen uns nicht selber belasten, uns kleiner machen als wir sind. So stehe es im 1. Johannesbrief, 3,20: «Wenn das Herz uns auch verurteilt – Gott ist grösser als unser Herz und er weiss alles.»

Ein guter, tröstlicher Gedanke, den ich persönlich gern in meinen Alltag mitgenommen habe.

Domschatzmuseum

Nach dem Gottesdienst besuchten wir das Domschatzmuseum. Ich bin sonst nicht so «Fan» von kirchlichem Prunk, den man logischerweise in einem solchen Museum zu sehen bekommt. Aber ich muss sagen, es war eindrücklich, auch dank der kompetenten Führung von Anna Barbara Müller.

Das Museum wurde im Jahr 2002 geschlossen und erst 2020 im Laufe der Renovierung des Bischofspalastes wieder neu eröffnet. Dort, wo heute die kostbaren Ausstellungsstücke zu sehen sind, befand sich fast 20 Jahre lang eine Art Abstellkammer, wo alles mögliche und unmögliche gelagert wurde.

Im vorderen Teil sind liturgische Geräte und Gewänder zu sehen. Das eine oder andere wird auch heute noch für spezielle Gottesdienste genutzt. So gesehen, sei das Museum die erweiterte Sakristei der Kathedrale, meinte Frau Müller.

Im hinteren Teil des Raumes sind Reliquiare zu sehen. Zum Beispiel dieses hier, der Heilige Luzius, Patron des Bistums:

Reliquiar des heiligen Luzi

Luzius wird meist mit Königskrone abgebildet, was aber falsch sei, es müsste eine Märtyrerkrone sein, erklärte Frau Müller. Einer Legende nach, sei Luzius ein britischer Königssohn, der im 5. Jahrhundert kam um zu missionieren. Frau Müller meinte aber, dass es wahrscheinlicher sei, dass er aus dem Prättigau stammt (naja, Prättigau, Britannien, schon sehr ähnlich, wenn man früher alte Schriften nicht so exakt entziffern konnte).

Die kostbarsten, weil wahrscheinlich die ältesten Stücke, sehen aber weit weniger spektakulär aus:

Die Sachen in dieser Vitrine stammen aus der Römerzeit. Auf dem kleinen halbrunden Ding ist der römische Gott Äskulap abgebildet. In der Bildergalerie ganz unten ist das noch besser zu sehen. Es wurde zuerst als Schmuckkästchen, später als Reliquienkapsel genutzt, gefunden hat man es in einem Altar in der Kirche St. Laurentius in Surcasti.

Im früheren Weinkeller des Bischofspalastes sind die Todesbilder zu sehen. Es sind 25 Bilder, die die Begegnung von Menschen mit dem Tod zeigen. Sie gehen auf Hans Holbein (den Jüngeren) zurück, es handelt sich um grossformatige Kopien der kleineren Grafiken von Holbein aus dem 16. Jahrhundert.

Todesbilder

Wenn man in den Raum kommt, sieht man erst mal nur grau in grau (die Farbe des Fotos täuscht!), es braucht einen Moment, bis man bei genauerem Hinsehen entdeckt, was es da alles zu sehen gibt. Der Tod überrascht die Menschen mitten im Leben, den Papst genauso wie den Bischof, den Edelmann, den König, den Händler, die Hausfrau, etc. ja sogar das Kind.

Ich picke mal ein Bild heraus:

links: Richter, rechts: Fürsprecher

Abgebildet ist in der linken Bildhälfte ein Richter, der die hohle Hand macht, sich bestechen lässt. Der Tod hinter ihm zerbricht den Richterstab. Das heisst wohl, sei ein guter Richter, ein guter Mensch! Es ist extrem ungünstig, wenn du bei einer schlechten Handlung vom Tod überrascht wirst!

Während dieser Führung haben wir enorm viel mehr erfahren, zum Domschatz und zu den Todesbildern. Aber ich mache jetzt trotzdem mal einen Punkt. Dieser Bericht ist doch schon sehr lang geworden. (Du hast bis hierhin gelesen. Sehr gut! Es heisst ja, dass die meisten Leute nach ungefähr 3000 Zeichen aufhören zu lesen…)

Wer sich für das Domschatzmuseum interessiert, kann das gut auch ohne Führung machen. Es gibt einen Audioguide. Und wer nicht möchte, muss dafür nicht mal nach Chur reisen. Mit einer App kann man das Museum auch virtuell besuchen. Mehr dazu findest du hier.

Nach dem Museumsbesucht wurden wir noch einmal mit einem feinen Zmittag im Priesterseminar verwöhnt, bevor wir uns auf den Heimweg machten.

Bericht und Bilder:
Barbara Fleischmann

Weitere Bilder

beim Apéro
beim Apéro
beim Apéro
beim Apéro
beim Apéro
beim Apéro
beim Apéro
beim Apéro
hübsche Blumendeko in der Aula (von der Wiese gleich vor dem Seminar)
hübsche Blumendeko in der Aula (von der Wiese gleich vor dem Seminar)
vor der Mitgliederversammlung
vor der Mitgliederversammlung
vor der Mitgliederversammlung
vor der Mitgliederversammlung
vor der Mitgliederversammlung
vor der Mitgliederversammlung
vor der Mitgliederversammlung
vor der Mitgliederversammlung
Zvieri-Pause
Zvieri-Pause
Zvieri-Pause
Zvieri-Pause
Zvieri-Pause
Zvieri-Pause
Zvieri-Pause
Zvieri-Pause
Zvieri-Pause
Zvieri-Pause
Zvieri-Pause
Zvieri-Pause
gemütliches Beisammensein
gemütliches Beisammensein
Blick auf Chur
Blick auf Chur
Blick auf Chur
Blick auf Chur
vor dem Domschatzmuseum
vor dem Domschatzmuseum
vor dem Domschatzmuseum
vor dem Domschatzmuseum
Mytra und Bischofsschuhe
Mytra und Bischofsschuhe
das Kreuz wird immer noch in speziellen Gottesdiensten gebraucht
das Kreuz wird immer noch in speziellen Gottesdiensten gebraucht
Weihrauchfässchen
Weihrauchfässchen
Messgewand
Messgewand
Die Figuren wurden während der Reformation vor der Zerstörung gerettet
Die Figuren wurden während der Reformation vor der Zerstörung gerettet
Ämtliplan der Domherren
Ämtliplan der Domherren
Reliquiar (Placidus?)
Reliquiar (Placidus?)
Reliquiar der heiligen Emerita, Luzis Schwester
Reliquiar der heiligen Emerita, Luzis Schwester
Reliquienkästchen mit dem römischen Gott Äskulap
Reliquienkästchen mit dem römischen Gott Äskulap
links: Richter, rechts: Fürsprecher
links: Richter, rechts: Fürsprecher
links: Kaiserin, rechts: Königin
links: Kaiserin, rechts: Königin
Fürsprecher
Fürsprecher
links: junge Frau,
links: junge Frau,
König
König